Visionen - Kunstausstellung

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Visionen Kunstausstellung Marienberg - Romaneum

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Visionen Kunstausstellung Marienberg - Romaneum

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Visionen Kunstausstellung Marienberg - Romaneum

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Visionen Kunstausstellung Marienberg - Romaneum

Visionen

Plastik, Provokation, Passepartout, Politik und Pigmente

Mit dieser Ausstellung, die alle Jahrgangsstufen umspannt,   wird die zunehmende Relevanz künstlerischer Bildung angesichts allmächtiger Algorithmen und künstlicher Intelligenz betont. (Ltg.:Andrea & Olaf Gruschka)

Es gibt keine Zivilisation ohne Kunst. Es gibt keine Bildung ohne Kunst.

Die Gleichung: Kunst = Gestaltung zeugt von hoher Selbstverständlichkeit, deren Eigenwilligkeit  sich mit mit einer umgekehrten Lesart erschließt: Gestaltung = Kunst.

Hier entsteht eine Lücke.

Schülerinnen des Gymnasiums Marienberg haben diese Lücke auf sehr hohem Niveau mit  bemerkenswerten, politisch engagierten und künstlerisch überzeugenden Gestaltungen gefüllt. Plastik, Malerei, Zeichnung, Mode, skulpturales Animal Hoarding, Fotografie und provokative Arbeiten aus dem Bereich der StreetArt sind mit in einem Wechsel der Formate und ungewöhnlich großen Arbeiten vertreten.  Einzelarbeiten, Arbeiten im kleineren Team wie jahrgangsstufenübergreifende Gruppenarbeiten bieten eine gelungene Rhythmisierung der Ausstellungspräsenz.

 

Kunstausstellung Visionen

Kunstausstellung im Romaneum

Im ständig wachsenden Markt der Kulturellen Bildung agieren zahlreiche Institutionen und Lernangebote unter dem Label Kunst. In der Schule ist Kunst ein Unterrichtsfach neben vielen anderen Fächern.

Das ist gut so!

Kuss der Muse ist nicht leicht zu haben

Der Schülerin werden unterschiedliche Repräsentationssysteme der Wirklichkeit angeboten, die sie im Verbund und  in spezifischer Fokussierung nutzen kann, um sich zu entwickeln. Das Fach Kunst hat sicherlich nicht den überholten Anspruch, es ginge um den ganzen Menschen. Die wäre weniger ein Versprechen als vielmehr ein Zumutung. Kunst in der Schule ist spezialisierte Einzelhandlung als Angebot. Kunst ist auch in der Schule nicht voraussetzungslos. Jeder kann malen, singen und tanzen , was er will und auch Spaß haben, solange es Spaß macht. Wenn er aber, so Prof. Dr. E. Liebau [Vorsitzender Unesco-Chair in Arts and Culture in Education] nicht weiß, wie es geht, und nicht versucht und übt, wie es geht, hört der Spaß bald auf. So leicht sei der Kuss der Muse nicht zu haben.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Die ausgestellten Arbeiten der Schülerinnen haben nicht nur Spaß gemacht. Überlegungen, Abstimmungsprozesse, Skizzen, Versuche, Weiterentwicklungen, Vorstudien, Studien, Ausführungen, Entwicklungsprozesse, Gespräche, Korrekturen und immer wieder Neuanfang waren der Weg zu den ausgestellten Ergebnissen, die als konkretes Ziel kunstgenuin nicht definiert waren. Danach kam die Aufbereitung der ausgesuchten künstlerischen Ergebnisse als zeigbares Objekt für den Besucher.

In der Ausstellung sehen Sie kein kaleidoskopisches Sammelsurium kreativer Experimente. Wir praktizierten nicht das alte Wirkprinzip von Kitsch: Immer noch mehr desselben, damit sich  in einer netten Präsentation , die vervielfachten Elemente gegenseitig aufzuheben. Bei uns zählt auch nicht der gute Wille, sondern tatsächlich das Ergebnis, das nicht gut gemeint = gut gemacht ist.

Flamingos, Enten und Pinguine als skulpturale Installationen

Zunächst sind die Tierplastiken  ein echter Hingucker.

Die artifizielle Tierplastik als ästhetische Vermittlung der nicht mehr vorhandenen Natur. Es gibt keine Natur mehr, die nicht vom Menschen überformt oder in Reservationen gezwängt wurde. Natur ist nur als Defizit erfahrbar. Hier setzt die ästhetische Vermittlung ein, die kraft des theoretischen Geistes versucht, das Verlorene zu vergegenwärtigen. Wir gehen in den Park, den Garten, das Naturschutzgebiet, den Zoo, fahren Fahrrad und Offroad. Wir flanieren in urbanen Landschaften, spazieren, wandern und reisen. Eine Unruhe macht sich breit, um das Verlorene wieder erfahrbar zu machen. Ein romantischer Gedankengang, der sich in der Ästhetik ausformuliert.

Die Thematik des Klimaschutzes in der zufälligen Begegnung surrealistischer Prinzipien mit der Streetart

Kunstwerke waren einst  Kult­- und Religionsge­gen­stän­de. Sie entstanden im Dienst des magischen, später des religiösen Rituals. Sie waren nicht für die Augen der Öf­fent­lich­keit bestimmt und bedurften keiner Schönheit.  Sie wirkten im Verborgenen. Göt­ter­sta­tu­en waren   Priestern zugänglich, Ma­don­nen­bil­der blieben das ganze Jahr über verhängt. Manche  Skulpturen an mit­tel­al­ter­li­chen Domen, sind  für den Betrachter von unten nicht sichtbar.

„Das Hier und Jetzt des Originals macht den Begriff seiner Echtheit aus.“ Das ändert sich im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit der Kunst. 

Damit einhergehend ergaben sich  Möglichkeiten, es aus­zu­stel­len, was dann den Charakter der Kunstwerke selbst veränderte: Losgelöst von der einstigen Verankerung im geheimen Ritus wird es zum transparenten Ausstellungsobjekt.

Por­trät­büs­ten, Tafelbilder und Installationen  lassen sich leichter transportieren als Götterstatuen und Fresken. Die Kunst- und Ausstellungsobjekte sind an keinen Ort und Zusammenhang gebunden. Sie werden mobil und dann internetaffin.

Der Aus­stel­lungs­wert eines Kunst­ge­gen­stands verdrängt allmählich dessen Kultwert und seine Aura.

Die massenhafte Duplizierung des Werks in der Vermarktung unzähliger Produkte des Alltags und die Berichterstattung der Berichterstattung entsublimieren das Kunstwerk und stürzen es vom Sockel.

Wider eine Ästhetisierung der Politik forderte Walter Benjamin eine Politisierung der Kunst. Die Schülerinnen legen mit den surrealistischen Mitteln der Kombinatorik, Metamorphose und Imagination und in Anlehnung an Banksy den künstlerischen Finger in die Wunde des Zeitgeistes: „Klimaschutz“. Dies ist umso interessanter, weil Banksy die Reproduzierbarkeit seiner Arbeiten exzessiv bedient und gleichzeitig eine Aura um seine Person hüllt.

Nofretete – Visualisierungen einer zeitlos schönen Frau

Identität aus Diversität

Der Begriff "Diversität" bezeichnet die Vielfalt von Menschen in unserer Gesellschaft, die sich anhand von unterschiedlichen Kategorien und unter Anwendung verschiedener Methoden beschreiben lässt.

Diversität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Vielfalt und Vielfältigkeit (Duden, Fremdwörterbuch). Synonym zu Diversität/Diversity werden häufig auch die Begriffe Heterogenität, Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit, Mannigfaltigkeit und Differenz verwendet. Der Begriff Diversität fokussiert auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Menschen. Dabei stehen historisch gewachsene gesellschaftliche Differenzsetzungen im Mittelpunkt, die soziale Ungleichheiten hervorgebracht haben.

Die Originalbüste der Nofretete  durfte und darf nicht abgeformt werden. Alle Kopien sind bildhauerische Interpretationen, die sich voneinander und vom Original unterscheiden. Selbst ein erstellter ein 3-D –Scan/Druck  ist anders als das Original. Davon überzeugen kann man sich in der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin.

Marienberger Schülerinnen schufen höchst eigenwillige, spannungsvolle  Überarbeitungen der Nofretete 

Identität durch Diversität ist eine künstlerische Unternehmung, die die Dauer im Wandel am Bildnis der Nofretete dokumentiert.

 

 

Fotografie im Zeichen des Datenschutzes

Eine Reihe von Fotografien zeigt Personen, die nicht gezeigt werden.

Meine Daten geb´ ich nicht! 
Respekt ist Rückblick
Byung-Chul, Han : Im Schwarm- Ansichten des Digitalen, Berlin 2013

 „Respekt heißt wörtlich Zurückblicken. Er ist eine Rücksicht. Im respektvollen Umgang mit anderen hält man sich zurück mit neugierigem Hinsehen. Der Respekt setzt einen distanzierten Blick, ein Pathos der Distanz voraus. Heute weicht er einer distanzlosen Schau , die charakteristisch ist für das Spektakel. Das lateinische Verb spectare, worauf  Spektakel zurückgeht , ist ein voyeuristisches Hinsehen , dem die distanzierte  Rücksicht, der Respekt (respectare) fehlt. Die Distanz unterscheidet das respectare vom spectare. Eine Gesellschaft ohne Respekt, ohne Pathos der Distanz führt in die Skandalgesellschaft.“

Schöne neue Welt und das Ende personaler Aura? Das Ende der Anonymität? Rechtlich unmöglich? Science-Fiction? 
Noch ist diese Funktion nicht verlässlich verfügbar. Aber arbeitet das Internetnetzwerk Facebook nicht schon seit langer Zeit an einer Datenbank, die genau das möglich macht? Mit 800 Millionen Nutzern, die nahezu 100 Milliarden Fotos gesammelt haben und immer eingeladen waren, all diesen Gesichtern Namen zuzuschreiben, wurde freiwillig unverzichtbare Vorarbeit geleistet.
Ist das Foto eines Nutzers mit einem Namen verbunden, erkennt ihn Facebook aufgrund der gespeicherten biometrischen Daten der Datenbank auf jedem neuen Foto automatisch wieder.  Die Halteranfrage bei einem Nummernschild bleibt eine polizeiliche Maßnahme. Bei der Sicherung von Fingerabdrücken und deren Auswertung liegt die Schwelle noch höher.Die Bedeutung des Umgangs mit biometrischen Daten der Personenfotografie wird im allgemeinen Bewusstsein jedoch marginalisiert.

Inszenierte Fotografie im Zeichen des Surrealismus

Die gemalten Landschaften des Surrealisten berichten weder von Geologie und Flora noch von stillem Empfinden oder aufgewühlter Dramatik. Nichts Natürliches eignet ihnen mehr. Es ist als sei die alte Landschaft ausgeräumt, alles Bekömmliche entfernt. Seit de Chirico blieb nur das ortlose, strukturelle Gerüst. Diese Erkenntnis übertragen die Schülerinnen auf die Personenfotografie. Das Subjekt ist ausgeräumt, wird zum entfremdeten Gegenstand. Das inszenierte Bild der Person ist einem Stellvertreter gewichen. 

Mode = Design, designare vorweg bezeichnen

Design, designare vorweg bezeichnen, sozusagen eine Haltung, in der ich im Grunde genommen sachverhaltend Zeichen gebe, sie in einer gewissen Weise präfiguriere, vorweg bezeichne. Wir kennen den Ausdruck heute ja noch im Sinne von zum Beispiel „designierter Ministerpräsident“. Dann ist der schon ausgesucht, dann wird schon gesagt, du wirst es sein, du bist schon quasi bezeichnet worden, du bist es zwar noch nicht, aber das ist die Designation. Designieren ist im Grunde genommen ein Vorwegbezeichnen. Mode ist ein Statement des Vorwegbezeichnens.

 

Mode im weitesten Sinne nennt man eine zeitweise gültige und während dieser Zeit allgemein akzeptierte Anschauung von den  äußeren Kulturformen. Die Mode bestimmt zumeist ein Bild des Ideals von Schönheit in der jeweiligen Gesellschaft. Jede Epoche entwickelt eigene Maßstäbe von einem ästhetischen Ideal des menschlichen Körpers.

Kleidung betont oder unterdrückt bestimmte Partien des Körpers, um die Silhouette dem gültigen Ideal anzunähern: Sie korrigiert und stilisiert. Mode gibt die Möglichkeit nach außen jemand anderes zu sein als seine Herkunft es vorgibt.

Kleidungsstil und Mode haben die Eigenschaft einen raschen Wechsel zu vollziehen. Das heißt es besteht ständige Veränderung in Kleidungs- und Lebensstilen. Kleidung hat ebenfalls die Eigenschaft, den sozialen Stand einer Person zu signalisieren. Sie reflektiert soziale Hierarchien. Vor allem das Mittelalter kannte [..] Kleiderordnungen, die sich in komplizierten Regelungen über Farbe und Qualität der Stoffe verästelten. Im Mittelalter ist die Menge des Stoffes, seine Art (Seide, Baumwolle u.a.), die Länge der Schleppe eine Richtlinie für die gesellschaftliche Einordnung. Somit gibt die Kleidung verlässliche Auskunft über die Herkunft einer Person.

Marathon – Drahtfiguren zeigen einen Marathonlauf

Drahtstudien zur menschlichen Figur – Übungen zu Proportion und Bewegungsabläufen

Laufen ist  der Dünger fürs Denkorgan. Laufen macht kreativ, denn es fördert das divergente Denken. Statt logisch rational und gerade zu denken, schweifen unsere Gedanken querfeldein, spielen mit dem, was wir wissen. Das Denken geht in viele Richtungen, statt bei einem Thema zu verharren. Es kann Widersprüche verarbeiten und findet neue Lösungswege. Nicht Formeln und Begriffe dienen als Denksprache, sondern Bilder und Visualisierungen. Die erhöhte Sauerstoffversorgung des Hirns verantwortet diesen Kreativitätsschub. Sauerstoff bewirkt ein gut durchblutetes, denkfreudiges Hirn. ACTH ist eigentlich ein Stresshormon, das unter anderem die Aufgabe hat, klares Denken und Konzentration in Stresssituationen zu ermöglichen. Es senkt den Blutdruck und wirkt entspannend. Deshalb wird es in der Literatur gerne als Kreativitätshormon bezeichnet. Im Sprachschatz ist dieses Wissen längst verankert, denkt man daran, was man alles laufend erledigt. 

 

Das Bild als Schein oder Sein

Schülerinnen arrangieren ein Stillleben mit Farbdosen und erstellen eine Fotografie, der als massenhaftes Produkt jegliche Aura fehlt. Nun zielen Sie in der weiteren Arbeit auf die Diskrepanz zwischen Foto und Malerei, zwischen Bild und Wirklichkeit. Die Formen der Fotografie werden auf die Leinwand übertragen. Die  Herstellung einer bloßen Abbildhaftigkeit wurde jedoch vermieden, indem mit einem weichen Pinsel die noch feuchte Ölfarbe verwischt wurde.

Es entsteht damit eine ganz eigene Wirklichkeit zwischen Ding, Foto und mimetischer Malerei. Eine Harmonie parallel zur Wirklichkeit.

Die provozierte Unschärfe beschreibt ein  Möglichkeit, einen Erkenntnisprozess zu fördern, der eindeutige Wahrheiten reflektiert. 

 

Inszeniertes Foto – Zeichnung – Malerei

Die Schülerinnen wissen, dass die Suspendierung des Klischees  ein konstitutives Merkmal künstlerischer Artikulation ist. Schön sei nur, was auch die schreckliche Seite des Lebens zeigt. Das macht Kunst aus. Um es mit Rilke zu sagen: „Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir gerade noch ertragen, weil es so gelassen verschmäht uns zu vernichten.“ Übersteigerte Warhol das Klischee zu einem Spiegel der Vulgarität von Massenkultur, wenn er das Kinostandbild von Marilyn Monroe aus dem Film „Niagara“ immer wieder stilisierte, um den menschenverachtenden, manipulativen Charakter der Populärkultur zu enttarnen, so ist es  Kennzeichen dieser Arbeiten, dass gängige Schönheitsvorstellungen relativiert werden. Gezeigt wird auch die Kontinuität konzentrierter Arbeit mit den Stationen Foto-Zeichnung-Malerei.

 

Großflächige Malereien Kombinatorik & Typografie

Bilder mit über zwei Quadratmetern Fläche sind in der Schule unüblich. Sie zeigen aber die Kraft und Wucht, die Malerei entfalten kann. Malerei , die sperrig sein will.

Schule ist mehr als Unterricht und Bildung ist mehr als Schule 
Wir machen Sport, lernen Sprachen, beschäftigen uns mit Naturwissenschaft und Religion und lernen alles mit heißem Bemühen. Wenn wir aber malen, zeichnen, Kunst machen, wissen wir, dass wir im Gegensatz zur Wissenschaft lügen. Wir geben aber auch nicht vor, die Wahrheit zu wissen.

Bilder haben keinen Wahrheitsgehalt
Bilder sind Medien in dem Sinne, dass sie, wie andere Medien auch, etwas wiedergeben, was sie nicht selbst sind. 

Was etwas wiedergeben will, kann nicht selbst das sein, was es wiedergibt. Also sind Medien von dem, was sie wiedergeben, verschieden; und sobald Medien wahrgenommen werden, stehen sie gleichsam in der Mitte zwischen dem Wiedergegebenen und dem Wahrnehmenden: Auf eben diese Mittelstellung verweist auch der Begriff des Mediums (medium = das Mittlere). Das wiederum hat zur Folge, dass Medien niemals vollkommen transparent auf das Wiedergegebene sein können, dass sie sich vielmehr an irgendeiner Stelle selbst, d. h. in ihrer eigenen Beschaffenheit, ins Spiel bringen.

 

Olaf Gruschka